Wer willst du heute sein?

Ein Identitätscheck

Kleidung. Mehr als ein Stück Stoff, was den Körper warm hält und ihn vor ungewollten Blicken schützt.

Kleidung ist Schutzschild, Verkleidung, Lebenseinstellung und Religion in einem.

Mode ist Ausdruck von Kunst, Phantasie und bedeutendem Handwerk.

 

Es gibt keinen Zweifel daran, dass Kleidung in erster Linie dafür da ist, unseren Körper zu bedecken und sich für verschiedene klimatische, räumliche oder situationsbedingte Gegebenheiten anzupassen. Kleidung wird von berufwegen getragen; anhand der Uniform erkennt man die Branche.

Die Modeindustrie verschafft vielen Menschen Jobs: dem Designer, den Models, den Näherinnen, den Fabrikarbeitern, den Bekleidungsfachverkäufern, den Bloggerinnen und den Werbeleuten.

Doch was macht Kleidung mit einem Selbst?

Wer Mode lebt, zieht sich nicht nur einfach jeden Morgen an. Er kombiniert und studiert die Kleidung, behandelt die Textilien mit größtem Respekt und kann es kaum erwarten, sich in seinem Outfit der Welt zu präsentiern. Mit Ablegen der Kleidung wird dann aus der Fashionista wieder die Person von Nebenan.

 

Der Weg zum eigenen Kleidungstil gleicht einer ungeheuren Selbstfindungsphase, die schon im Teenageralter beginnt. Anfänglich identifiziert sich das Kind mit gewissen Gruppen (z.B. Gothiks, Indies, Hipstern, Girlies) und richtet den Inhalt seines Kleiderschranks darauf aus. Doch nicht nur der Freundeskreis, auch das familiäre Umfeld oder Film und Fernsehen beeinflussen den Heranwachsenden.

In einem späteren Punkt im Leben, meist mit Einstieg in das Studium oder Berufsleben, ensteht die Phase zwei. Das Gruppendenken wird abgeschafft, der Kleiderschrank aussortiert und man versucht sich im Erwachsensein.

Es werden Trends ausprobiert, man versucht schick und glamourös zu sein und ist dann oft ein bisschen drüber. Der Spagat zwischen dem Kind und der reifen Frau könnte nicht größer sein. Im Kleiderschrank befinden sich nunmehr das abgeschnittene Mickymaus-Shirt mit Bauchfreinote sowie der Businesslook nebst Perlenkette. Es gibt zwar eine Tendenz in eine bestimmte Richtung, aber der junge Erwachsene probiert gerne noch etwas herum.

So mit etwa Mitte 20 ist dann ein Großteil der Identitätsphase in Sachen Kleidungsstil abgeschlossen. Nun herrschen nur noch bestimmte Farben und bestimmte Stile vor. Kunterbunt und Mix waren gestern. Heute will man einfach in den Schrank greifen und auf Nummer sicher gehen, das richtige Outfit zusammenstellen zu können.

Während also die Metamorphose erstmal bis zur Midlifecrisis abgeschlossen ist, kann der Modemensch seine Neigung in Sachen Outfits nach Lust und Laune ausschöpfen.

Wie schon zu Beginn des Artikels gesagt, ist Kleidung auch Verkleidung. Durch sie projeziert man seine Gefühlswelt nach Außen. An fröhlichen sonnigen Tagen ist das Styling sicherlich mit mehr Liebe zum Detail aufgebaut und wirkt insgesamt harmonisch und lebensfroh, während an einem bad-mood-day die Kleidung dazu dient dem Träger Verlässlichkeit, Gemütlichkeit, ja gar eine Umarmung zu vermitteln.

Doch nicht nur die Stimmung wird durch die Kleidung transportiert, sondern auch die schizophrenen Charaktere einer Person bekommen die Möglichkeit sich zu zeigen. Heute mal betont lässig mit Boyfriendjeans, Sneaker, Cap und Hoddie, morgen hochgeschlossen mit gebügelter weißen Bluse, Bleistiftrock und Highheels, dann wieder das Mädchen von nebenan mit 7/8 High-Waist-Hose, Glitzerschuhen, und Shirt mit Comicprint. Auch der Hippie darf mal an die frische Luft, genauso wie der Rocker, die glamouröse Lady oder die sexy Hexy.

An unbestimmten Tagen wagt sich sogar der verrückte Mixer vor die Tür, gerne in der Bloggerszene auf Events anzutreffen. Dieser Typ möchte Trends setzen, sich von anderen absetzen und gesehen werden. Nicht gleichbedeutend mit Trendsetter.

Die Mode bietet also einem jeden, der sich darauf einlässt, das Spiel mit dem Textil. Wie ein bekannter Spruch heißt: "Kleider machen Leute", kann man auch anhand des korrekten Kleidungsstücks sein Leben einfacher gestalten. Schon die ordentliche Bluse gegenüber dem Sprücheshirt macht bei einem Bewerbungsgespäch im Büro den Unterschied. Auch der gut geschnittene Anzug erleichtert einem das Gespräch in einem Luxusautohaus.

Doch man hüte sich davor stets zuviel zu wollen. Wer in einem Coctailkleid zu einem lockeren Sit-In kommt, hat entweder sehr viel Mut und möchte um jeden Preis auffallen oder keine Ahnung, was Stilsicherheit ist.

Das zarte Mädchen kann in einem derben Lederlook fehl am Platz wirken, aber mit der richtigen innerlichen Einstellung und der Haltung, kann jenes Mädchen plötzlich auch taff wirken.

Doch am Ende ist es das Wichtigste, dass man sich wohlfühlt mit dem was man anhat. Der kratzige Wollpulli von Oma hat noch nie jemanden einen Gefallen getan, außer der Oma selbst.

Also immer schön sich selbst treu bleiben in der Wahl der Kleidung. Achja, die richtigen Stoffe und Materialien können ebenso zu einem Modeerlebnis beitragen. Ein Kleidungsstück muss nämlich nicht immer teuer sein um zu wirken. Oft reicht ein guter Schnitt, eine gute Verarbeitung und das richtige Mischverhältnis der Fasern.

Selbst der Kleiderschrank der Gothiklady, bevorzugt in schwarz, kann den Unterschied machen, wenn die farbgleichen Teile verschiedene Schnitte und Materialien haben.

Eine andere Möglichkeit der Diversität ist das A & O des Mix and Match. Dies funktioniert sowohl bei einer kleinen Kleidungsauswahl als auch bei einem Riesenkleiderschrank und spart zusätzlich Geld. Versucht man mal die Ober-und Unterteile anders zu mischen wie gewohnt, entstehen häufig neue interessante Outfits und Stilrichtungen. Und schon hat man einen neuen Look. Für das Fashionvictim ist dieses Spiel natürlich ein alt Bekanntes, man überrascht sich quasi selbst mit neuen Stylings. Es fühlt sich an, als ob man eben shoppen war. Hier sei zum Schluss noch die Empfehlung ausgesprochen, dass es für ein neues Outfit nicht immer was neu Gekauftes sein muss. Auch Second-Hand oder Upcycling sind in der heutigen Zeit ein großes Thema. Aber auch hiermit muss man sich identifizieren können.


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