Ein verfluchtes Zuhause

Pauline ist schon alt und lebt in einem Heim, als sie plötzlich erfährt, dass ihr letzter Bruder verstorben ist und sie ein Erbe antreten soll. Zusammen mit ihrer Enkelin Isabell macht sie sich auf nach Köln. Vor Ort erfahren beide, dass die alte Frau Paulines Elternhaus, eine Villa, erben soll. Doch diese birgt große Geheimnisse und eine schreckliche Familientragödie.

Als letztes von sechs Kindern wächst Pauline in der Zeit des Krieges als ungeliebtes Kind ohne Bezug zu den Geschwistern auf. Schon früh verlor sie ihre Mutter, den Vater lernte sie nie kennen.

Dieser erwarb das große Anwesen Anfang der 20er Jahre bei einem Glücksspiel. Daraufhin versprach der ursprüngliche Besitzer Unfrieden für die Familie. Und er sollte Recht behalten...

Das Familienoberhaupt August selbst, war an illigalen Schwarzmarktgeschäften beteiligt, die er bis zu seinem Lebensende weiterverfolgte. Auf dem Grundstück richtete er offiziell eine Bierbrauerei ein und arbeitete dort mit seinem Angestellten Viktor.

Doch August war alles andere als der liebevolle Vater und seine Frau Sofia verrennt sich in eine unglückliche Liebschaft.

Worum es geht

Der Roman "Die Kirschvilla" spielt hauptsächlich während und in den Vorkriegsjahren des zweiten Weltkriegs. Hier rückt die Familiengeschichte der Kortes in den Vordergrund. Es wird das Leben der damaligen Zeit beschrieben und der Aufstieg der Familie. Im Näheren erfahren wir über die Familie selbst, vor allem über den Umgang des Vaters mit den Kindern. Ohne hier mehr als nötig vorweg zu nehmen: Schläge sind nur ein kleiner Teil seiner Ausbrüche.

Auch über die Umstände der heimlichen Liebe seiner Frau zu einem anderen Mann wird berichtet. Zusätzlich bekommen wir einen Einblick in das Gefühlsleben der Kinder.

Der andere Teil des Romans -die Jahre springen in den Kapiteln hin und her- spielt in der heutigen Zeit, genauer gesagt 2014. Protagonisten sind hier die Oma Pauline, die Enkelin Isabell und ein sehr gewissenhafter Erbschaftsverwalter namens Julius, der schnell ein Auge auf die junge Frau geworfen hat.

Es entwickelt sich eine schwierige Romanze zwischen den Beiden. Zum gleichen Zeitpunkt wird die Großmutter krank und es tauchen auf einmal zwei geheimnissvolle Tagebücher von Paulines ältester Schwester auf.

Plötzlich nimmt die Geschichte um Paulines Familie eine ganz andere tragische Wendung und immer mehr Details einer schrecklichen Vergangenheit kommen ans Licht.

Das sage ich dazu

Zu gern würde ich euch den kompletten Plot des Romans vorweg erzählen, aber damit würde ich euch alle Spannung nehmen, denn das Buch ist mehr als lesenswert.

Eigentlich war der Kauf des Buchs mehr ein Zufallstreffer, da ich eigentlich auf der Suche nach anderen Villen-Romanen war. Doch dieser Zufall ist ein Goldstück der Literatur. Hanna Caspian hat mit ihrem Buch eine dramatisch geladene Atmosphäre geschaffen, die den Leser völlig in die Geschichte mit einbezieht. Zu keinem Zeitpunkt wird der Stoff langweilig. Vor allem die Zeitsprünge zwischen der Vergangenheit, der Gegenwart und den Tagebucheinträgen sind geglückt. Ich habe das Buch regelrecht in mir aufgesogen. Und auch hier, wie bei manch anderen Lieblingsbüchern, gab es einige Wendungen und Textstellen, die mir schier den Atem geraubt haben und mich haben fassungslos werden lassen. Teilweise nichts für schwache Nerven und damit meine ich es nicht im Sinne eines Horrorfilms. Auch die zeitgeschichtlichen Hintergrundinformationen sind gut recherchiert, was bei einem historischen Roman, auch fiktiver Natur, sehr wichtig ist.

Das Einzige was mich zuweilen etwas gestört hat, ist das ewige hin und her zwischen den Verliebten Julius und Isabell. Hier wurde etwas zu viel Drama hineingelegt, wirkt etwas unecht und schwächt die interessante Geschichte um die Familie etwas ab. Da die eigentliche Story aber bis zum Schluss spannend bleibt, weil erst dann alle Rätsel gelöst sind, kann man geflissentlich drüber hinwegsehen.

Und einige aufgedeckte Tatsachen sind am Ende anders, als vermutet.

 

Ich empfehle dieses Buch jedem Freund von Romanen aus der deutschen Historie und jenen, die gerne Familiengeschichten lesen.

(Quelle: Die Kirschvilla, Hanna Caspian, Heyne Verlag, 9,99 €, ISBN: 978-3-453419551)


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