Ein Unterdrücker und eine starke Frau

Ich habe lange überlegt, trotz großer Ankündigung, dass ich es tun werde, ob ich über dieses Buch tatsächlich was schreiben möchte. Nicht, weil es langweilig ist, ganz im Gegenteil; aber dann fiel mir ein, dass die Autorin viel auf sich genommen hat, um dieses Buch zu schreiben, damit die Leute es lesen. Also soll sie auch auf meinem Blog eine Stimme bekommen.

Das Buch

Die Stimme heißt Tehmina Durrani, ist Pakistani und Exfrau eines sadistischen, geisteskranken, gewaltätigen und schizophrenen Politikers. Ja, ich muss diese starken Worte nutzen, denn schon wieder kommen mir Wut und Galle hoch.

Frau Durrani hat mit ihrem Buch "Mein Herr und Gebieter " (engl. My Feudal Lord) eine Autobiographie geschrieben, die ihr sicher Mut, Kraft und Ausdauer gekostet hat, sowie Überwindung, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.

In den 70er Jahren lernt die Tochter eines Bänkers und einer schlimmen Mutter, den älteren Mustafa Khar kennen. Damals war er ein aufstrebender Politiker zu Zeiten Bhuttos. Tehmina selbst befand sich zu diesem Zeitpunkt noch selbst in einer Ehe und hatte eine Tochter.

Doch wo die Liebe hinfällt. Eine Affäre beginnt. Mustafa und Tehmina können nicht mehr ohneeinander. Also lässt sich Tehmina scheiden und heiratet den mächtigen Herrn Khar, der bereits in der fünften Ehe ist. Nach islamischen Glauben ist dies erlaubt. Während die andere Frau anfängt Tehmina zu warnen, verrennt diese noch mehr in ihr Schicksal. Die andere Frau lässt sich scheiden. Und plötzlich beginnt ein 14 jähriges Martyrium für die schöne Tehmina, für die Begum des Löwen von Punjab, wie Mustafa Khar in aller Munde genannt wird.

Anmerkung

Hier muss ich einen Cut machen, denn mir widerstrebt es sehr, darüber zu schreiben, was ich gelesen habe. Nur so viel: der Ehemann Mustafa ist ein gewaltätiger Mensch mit schlimmen Zornesausbrüchen, die er hauptsächlich gegenüber seiner Frau auslässt. Es geht weit über häusliche Gewalt hinaus.

Wer wissen möchte, in welcher Art und Weise er seine Frau und sein Umfeld behandelt hat, muss das Buch schon selbst in die Hand nehmen und lesen.

Doch Tehmina ist nicht nur die unterdrückte Frau, sondern spielt immer mehr eine entscheidende Rolle im Kampf um die politische Herrschaft ihres Mannes.

Das sage ich dazu

Man muss das Buch eigentlich in zwei Teile zerlegen. Einmal in den privaten Teil, den Teil der familiären Tehmina, der Gewalt und Ehe und einmal in den politischen Teil, wo sie Stimme des Volkes wird.

Während im privaten Teil äußerst erschreckende Zeilen zu lesen sind, die weit über einen Thriller hinausgehen und die gute Frau ständig Spielball ihrer Familie wird, geht es im politischen Teil immer weiter für sie voran.

Anfangs las sich die Biographie noch sehr flüssig, dann als es weitesgehend politisch wurde, wurde es sehr langatmig. Obwohl ich immer Fan von gut recherchiertem Hintergrundwissen bin, so interessiert mich Politik eher weniger. Davon ist das Buch jedoch voll. Es geht um Pakistan und dessen Regierung und um viele Geheimnisse aus der Zeit, sodass die Autorin nach Veröffentlichung sogar mit Strafe für Landesverrat rechnen musste. Politisch Interessierte haben mit dieser Biographie ein wertvolles Stück Geschichte. Im Anhang gibt es dann noch einmal eine chronologische Auflistung der politischen Ereignisse.

Ich hingegen habe ironischer Weise lieber alles rund um die häusliche Gewalt gelelesen, die Unterdrückung der Frau. Ich rechne der Autorin hoch an, dass sie darüber geschrieben hat.

Es gab Situationen, wo ich mich als deutsche Frau im 21. Jahrhundert gefragt habe, warum sie sich nicht einfach trennt oder zur Polizei geht oder Hilfe sucht, aber man vergisst schnell, dass diese Frau nicht nur in einer anderen Zeit und in einem anderen Land lebt, sondern auch die Religion und die Kultur wie eine Gefängniszelle sind, die sie daran hinderten, das zu tun, was eine westliche Frau vielleicht schon längst getan hätte.

Ich habe tiefsten Respekt gegenüber Frau Durrani, die 14 Jahre lang bei einem Tiermörder, Vergewaltiger, Underdrücker, Manipulator, Kindermisshandler, Kidnapper und Sklaventreiber geblieben ist und immer noch mal versucht hat was Gutes in ihm zu sehen.

Mustafar Khar, der übrigens immer noch lebt, ist meines erachtens auch schwer manisch-depressiv. Immer wieder hat er es schließlich geschafft, seine Frau für die gute Sache zu überzeugen.

Und obwohl das Buch so politisch war und vor allem manchmal so schlimm zu lesen, dass ich eine Pause machen musste, hat es mich darin bestärkt zu Ende zu lesen, da ich wusste, sie schafft es irgendwann dem Ganzen zu entfliehen. Und gegen Ende bzw. im zweiten Teil wird es schließlich auch besser.

Ein Buch für euch?

Tja, möchte ich das Buch empfehlen? Will ich, dass ihr es lest?

Wenn ihr mit oben genannten Fakten zurecht kommt, dann lest es. Denn wie gesagt; diese Frau hat einiges riskiert um dieses Buch zu schreiben. Es soll gelesen werden. Und ich hoffe, dass bereits viele Menschen dieses Buch gelesen haben und sich ganz vielleicht etwas in gewissen Kulturen zu dem Thema gegenüber Frauen geändert hat.

Das Buch ist leider schon älter und deswegen nur noch im Antiquariat zu finden.


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